24. Dezember 2020

Die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas Evangelium

 

1Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.

4Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war, 5auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. 6Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7Und
sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

8Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. 9Und des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. 10Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. 12Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 13Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: 14Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

15Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. 16Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. 17Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18Und alle, vor die es kam, wunderten sich über die Rede, die ihnen die Hirten gesagt hatten.

19Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. 20Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.

23. Dezember 2020

 

Der kleine Hirte und der große Räuber

 

In jener Nacht, als die Schafweide vom Glanz der himmlischen Boten erfüllt war, hörte auch ein kleiner Hirte die Nachricht von der Geburt des Gottessohnes. Er stand auf, rollte seine Decke zusammen, füllte einen Krug mit Milch und packte Brot und Schinken in ein Bündel. Das alles wollte er dem göttlichen Kind als Geschenk mitbringen. Voller Freude machte er sich auf den Weg nach Bethlehem.

 

In dieser Gegend hauste ein großer Räuber. Von seiner Höhle aus sah er den hellen Schein über der Schafweide. Er hörte jubelnden Gesang, aber er konnte die Worte nicht verstehen. Er dachte: „Die feiern ein Fest, ich aber sitze allein in meiner Höhle, und mein Magen knurrt vor Hunger. Ich will mich anschleichen und sehen, was ich rauben kann." Kaum war der große Räuber aus seiner Höhle herausgekommen, da musste er sich hinter einem Baum verstecken. Denn einer nach dem anderen zogen die Hirten an ihm vorbei. Sie schleppten Körbe mit Käse und Honig, sie trugen Rucksäcke voll Wolle, und einer führte sogar ein Lamm mit sich. Der letzte in der Reihe war der kleine Hirte. Er ging langsam, denn seine Last war schwer. In der einen Hand trug er das Essensbündel, in der anderen den Krug, und die Rolle mit der Decke hatte er sich um die Schultern gelegt. Der Räuber sah, wie der Abstand zwischen dem kleinen Hirten und seinen Gefährten immer größer wurde. „Das ist mir recht", dachte der große Räuber. Und er schlich dem kleinen Hirten nach und lauerte auf eine Gelegenheit, ihn zu überfallen.

 

In dieser Nacht aber herrschte ein seltsames Kommen und Gehen auf allen Wegen. Gerade die Ärmsten im Lande konnten nicht schlafen. Viele krochen aus ihren Hütten, sahen zum Himmel hinauf und fragten, ob etwas Besonderes geschehen sei. Auch ein alter Mann stand vor seiner Tür, als der kleine Hirte vorüberging. Der alte Mann schlug die Hände um seinen Leib, und er trat von einem Bein auf das andere. „Was ist mit dir?", fragte der kleine Hirte. „Ich friere", sagte der alte Mann. „Vor Kälte kann ich nicht schlafen!“ Da nahm der kleine Hirte die Decke von seinen Schultern und gab sie dem alten Mann. „Nimm nur", sagte er, „dem kleinen Gottessohn ist es sicher recht, wenn du seine Decke hast." Der große Räuber, der dem kleinen Hirten nachgeschlichen war, ärgerte sich. „Schenkt der die Decke her, die ich rauben will!", dachte er.

 

Bald darauf fand der kleine Hirte ein Mädchen, das saß vor seiner Hütte und weinte. „Was ist mit dir?", fragte er. „Ich habe Durst, klagte das Mädchen. „Vor Durst kann ich nicht einschlafen. Und der Weg zum Brunnen ist weit und finster." Der kleine Hirte gab dem Mädchen den Krug mit der Milch. „Nimm nur", sagte er, „dem kleinen Gottessohn ist es sicher recht, wenn du seine Milch trinkst!“ Das kleine Mädchen freute sich, aber der Räuber, der dem kleinen Hirten nachgeschlichen war, ärgerte sich noch mehr. „Schenkt der die Milch her, die ich rauben will!", dachte er. „Ich muss mich beeilen, dass ich wenigstens das Bündel erwische." Und sein hungriger Magen knurrte laut in der stillen Nacht.

 

Bei der nächsten Wegbiegung sprang der Räuber mit einem gewaltigen Satz auf den kleinen Hirten los. Der kleine Hirte sah den großen Räuber an. „Ist das dein Magen, der so schrecklich knurrt?", fragte er. „Die ganze Zeit schon höre ich dieses Knurren hinter mir. Du tust mir leid. Da, nimm und iss! Dem kleinen Gottessohn ist es sicher recht, wenn ich dir sein Essen gebe." Der Räuber aß das Brot und den Schinken und ließ nicht das kleinste Stückchen übrig, aber es wurmte ihn, dass er das Essen geschenkt bekommen hatte.

 

„Jetzt muss ich mit leeren Händen vor dem kleinen Gottessohn stehen", sagte der Hirte traurig. „Aber hingehen und ihn begrüßen will ich doch und ihm sagen, dass ich mich über seine Geburt freue!“ Und er erzählte dem Räuber, was die himmlischen Boten verkündet hatten. Der Räuber dachte: „Wenn Gottes Sohn geboren ist, kommen bestimmt auch alle reichen Leute, und es wird ein herrliches Fest. Ob da für mich was abfällt?" „Komm doch mit!", sagte der kleine Hirte mitten in die Gedanken des großen Räubers, und der große Räuber ging mit ihm.

 

Als sie aber in Bethlehem angekommen waren, staunte der Räuber sehr. Denn da fanden sie nur einen Stall, in dem die Hirten ein- und ausgingen, und eine junge Mutter und einen armen Mann. Das göttliche Kind lag in einer Krippe, mit nichts als ein bisschen Stroh und ein paar Windeln unter sich.

 

„Diesem Kind habe ich das Brot und den Schinken weggegessen", dachte der große Räuber und schämte sich. „Schau, Jesus", sagte die Mutter Maria, ,,da ist ein kleiner Hirte zu dir gekommen; er hat dir einen großen Räuber mitgebracht:" Die Mutter Maria lächelte den kleinen Hirten an, und der verstand auf einmal, dass er doch nicht mit leeren Händen gekommen war. Und die Mutter Maria lächelte den großen Räuber an, und der war ganz verwirrt und dachte: „Da stimmt etwas nicht! Große Räuber tun keinem leid, bekommen nichts geschenkt und werden von niemandem angelächelt. Mir scheint, ich bin gar kein großer Räuber mehr.“ „Mir scheint, du könntest ein großer Hirte werden", sagte da die Mutter Maria. „Du bist so stark, und starke Hirten braucht man immer." „Ich will's versuchen", brummte der große Räuber, der eigentlich schon keiner mehr war. Und sie verabschiedeten sich und gingen den Weg zu der Schafweide zurück; ein kleiner Hirte und ein großer Hirte.

22. Dezember 2020

 

Marie Luise Kaschnitz „Was war das für ein Fest?

Der kleine Junge hockte auf dem Fußboden und kramte in einer alten Schachtel, aus der er einiges zutage förderte, ein paar Röllchen schmutzige Nähseide, ein verbogenes Wägelchen und einen silbernen Stern. „Was ist das?“ fragte er und hielt den Stern hoch in die Luft.

 

Die Küchenmaschinen surrten, der Fernsehapparat gab Männergeschrei und Schüsse von sich, vor dem großen Fenster bewegten sich die kleinen Stadthubschrauber vorsichtig auf und ab. Der Junge stand auf und ging unter die Neonröhre, um den Stern, der aus einer Art von Glaswolle bestand, genau zu betrachten.

 

„Was ist das?“ fragte er noch einmal. „Entschuldige,“ sagte die Mutter am Telefon, „das Kind plagt mich, ich rufe dich später noch einmal an.“ Damit legte sie den Hörer hin, schaute herüber und sagte: „Das ist ein Stern.“ „Sterne sind rund“, sagte der kleine Junge.

 

„Zeig mal“, sagte die Mutter und nahm dem Jungen den Stern aus der Hand. „Es ist ein Weihnachtsstern“, sagte sie. „Ein was?“ fragte das Kind. „Jetzt hab' ich es satt,“ schrie der Mann auf der Fernsehscheibe und warf seinen Revolver in den Spiegel, was beträchtlichen Lärm verursachte. Die Mutter drückte auf eine Taste, der Lärm hörte auf, und das Bild erlosch.

 

„Etwas von früher,“ sagte sie in die Stille hinein. „Von einem Fest.“ „Was war das für ein Fest?“ fragte der kleine Junge. „Ein langweiliges,“ sagte die Mutter schnell. „Die ganze Familie stand in der Wohnstube um einen Baum herum und sang Lieder, oder die Lieder kamen aus dem Fernsehen, und die ganze Familie hörte zu.“

 

„Wieso um einen Baum?“ sagte der kleine Junge, „der wächst doch nicht im Zimmer.“ „Doch,“ sagte die Mutter, „das tat er, an einem bestimmten Tag im Jahr. Es war eine Tanne, die man mit brennenden Lichtern oder mit kleinen bunten Glühbirnen besteckte und an deren Zweige man bunte Kugeln und glitzernde Ketten hängte.“

 

„Das kann doch nicht wahr sein,“ sagte das Kind. „Doch,“ sagte die Mutter, „und an der Spitze des Baumes befestigte man den Stern. Er sollte an den Stern erinnern, dem die Hirten nachgingen, bis sie den kleinen Jesus in seiner Krippe fanden.“ „Den kleinen Jesus,“ sagte das Kind aufgebracht,“ was soll denn das nun wieder sein?“

 

„Das erzähle ich dir ein andermal,“ sagte die Mutter, die sich an die alte Geschichte erinnerte, aber nicht genau. Der Junge wollte aber von den Hirten und der Krippe gar nichts hören. Er interessierte sich nur für den Baum, der im Zimmer wuchs und den man verrückterweise mit brennenden Lichtern oder mit kleinen Glühbirnen besteckt hatte. „Das muss doch ein schönes Fest gewesen sein,“ sagte er nach einer Weile.

 

„Nein,“ sagte die Mutter heftig. „Es war langweilig. Alle hatten Angst davor und waren froh, wenn es vorüber war. Sie konnten den Tag nicht abwarten, an dem sie dem Weihnachtsbaum seinen Schmuck wieder abnehmen und ihn vor die Tür stellen konnten, dürr und nackt.“ Und damit streckte sie ihre Hand nach den Tasten des Fernsehapparates aus.

 

„Jetzt kommen die Marspiloten,“ sagte sie. „Ich will aber die Marspiloten nicht sehen,“ sagte der Junge. „Ich will einen Baum, und ich will wissen, was mit dem kleinen Sowieso war.“ „Es war,“ sagte die Mutter ganz unwillkürlich, „zur Zeit des Kaisers Augustus, als alle Welt geschätzt wurde.“

 

Aber dann erschrak sie und war wieder still. Sollte das alles noch einmal von vorne anfangen, zuerst die Hoffnung und die Liebe und dann die Gleichgültigkeit und die Angst? Zuerst die Freude und dann die Unfähigkeit, sich zu freuen, und das Sich-loskaufen von der Schuld? „Nein,“ dachte sie, „ach nein.“

 

Und damit öffnete sie den Deckel des Müllschluckers und gab ihrem Sohn den Stern in die Hand. „Sieh einmal,“ sagte sie, „wie alt er schon ist, wie unansehnlich und vergilbt. Du darfst ihn hinunterwerfen und aufpassen, wie lange du ihn noch siehst.“ Das Kind gab sich dem neuen Spiel mit Eifer hin.

 

Es warf den Stern in die Röhre und lachte, als er verschwand. Aber als es draußen an der Wohnungstür geklingelt hatte und die Mutter hinausgegangen war und wiederkam, stand das Kind wie vorher über den Müllschlucker gebeugt. „Ich sehe ihn immer noch,“ flüsterte es, „er glitzert, er ist immer noch da.“

21.12.2020

 

Optimistisches Liedchen

Hie und da kommt es vor,

dass einer um Hilfe schreit.

Schon springt einer ins Wasser,

vollkommen kostenlos.

 

Mitten im dicksten Kapitalismus

kommt die schimmernde Feuerwehr

um die Ecke und löscht, oder im Hut

des Bettlers silbert es plötzlich.

 

Vormittags wimmelt es auf Straßen

von Personen, die ohne gezücktes Messer

hin- und herlaufen, seelenruhig,

auf der Suche nach Milch und Radieschen.

 

Wie im tiefsten Frieden.

Ein herrlicher Anblick.

 

Hans Magnus Enzendberger

20.12.2020, Familie Ongsiek, Rheinlandstr. 3

 

Öffnet eure Herzen

 

Wir sind Sebastian, Miriam und der kleine Jakob. Bei uns Zuhause steht auf dem Highboard im Wohnzimmer seit Jahren eine große Jesusfigur aus Ton, die wir bei einer Haushaltsauflösung erstanden haben. Dabei zeigt Jesus sein goldenes Herz, das strahlt.

Diese Figur fiel mir direkt ins Auge, als ich mit meiner Frau über eine Idee für das Adventsfenster sprach. Eine kurze Recherche im Internet ergab, dass die Statue ‚Heiligstes Herz Jesus‘ sehr bekannt ist und im Mittelpunkt der Herz-Jesu-Verehrung steht*. Nun habe ich mich gefragt, was das für mich bedeutet und möchte jetzt hier meine Gedanken dazu mit Euch teilen:

Gott ist in Form von Jesus wirklich Mensch geworden. Mit all unseren menschlichen Eigenschaften. Jesus hat sich geärgert. Jesus ist zornig geworden. Was ihn aber von den meisten Menschen unterschied war seine Haltung im Herzen. Dieses beeindruckende, offene Herz gegenüber allen Menschen. Nicht nur für seine Eltern oder Jünger. Sondern auch für die Römer.

Dieses offene Herz war keine Strategie mit dem er etwas erreichen wollte. Es war der Abbau der inneren Burgmauern. Des inneren Schutzraumes. Jesus hat erlaubt, dass Andere mit ihren Worten ohne Abwehrmechanismen in sein Bewusstsein gelangen konnten.

Diese weite Öffnung des Herzens, kann man auch als Liebe bezeichnen. Es heißt ja auch „Gott ist die Liebe“. Doch um diese Liebe zu entwickeln, brauchte Jesus Vertrauen. Ein tiefes Vertrauen in die Welt und ein Verbundenheitsgefühl mit Gott und allen Menschen. Wir sprechen ja auch gerne vom Gottvertrauen. Und trotz seines offenen Herzens voller Liebe war Jesus sicher kein Ja-Sager. Er wollt es auch nicht immer allen recht machen und hat auch keine notwendigen Konflikte vermieden. Das ist mit der Liebe nicht gemeint. Es ist eine besondere Form der Liebe. Eine geborgene Liebe allen Wesen gegenüber.

Es ist wie mit meinem kleinen Sohn Jakob. Wir lieben ihn über alles und wir wollen, dass er ein glückliches Leben hat. Trotzdem müssen wir auch mal Schimpfen. Beispielsweise wollte er vor zwei Wochen abends nicht ins Bett, obwohl er ganz müde war und morgens wieder früh zur Tagesmutter musste. Da habe ich ihn trotz Geschrei ins Bett gebracht. Und das, weil ich ihn liebe. Ich glaube, dass Jesus genau solch eine Liebe gegenüber allen Menschen gelebt hat.

Für mich ist Jesus ein Vorbild, und eine Ermunterung dazu, an der Öffnung meines eigenen Herzens zu arbeiten. Noch kann ich das nicht gut. Wahrscheinlich werde ich das auch nie ganz können, aber ich möchte Jesus nachstreben. Ich glaube, dazu darf man wenig Furcht haben, muss lernen in der Gegenwart ganz da zu sein und es braucht die Bereitschaft, sich auf eine neue Erfahrung einzulassen, komme was wolle.

 

* Der dazugehörige Grundtext aus dem Evangelium ist Joh 19,34. In der Liturgie vom Heiligsten Herzen Jesu heißt es: „Aus seiner geöffneten Seite strömen Blut und Wasser, aus seinem durchbohrten Herzen entspringen die Sakramente der Kirche. Das Herz des Erlösers steht offen für alle, damit sie freudig schöpfen aus den Quellen des Heiles.“

19. Dezember 2020, Familie Dorka/Sonntag, Graudenzer Str. 5

 

Jupiter und Saturn


In der Weihnachtsgeschichte aus dem Matthäusevangelium heißt es, ein Stern wies den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zu der Heiligen Familie. Es wurde schon viel darüber gerätselt, ob es damals tatsächlich ein außergewöhnliches Himmelsereignis gab.

Seit dem November dieses Jahres kann beobachtet werden, wie Jupiter und Saturn abends gen Südwesten, nicht sehr hoch am dunkel gewordenen Himmel, nebeneinander erstrahlen und allabendlich immer näher zu einander kommen. Am 21.12. werden sie dann sichtlich aufeinandertreffen - hintereinander in unserer Blickrichtung. Ihre dann gemeinsame Strahlkraft wird zu einem sehr hellen Lichtpunkt. Dieses Ereignis ist mit bloßem Auge, ein einfaches Fernglas hilft, etwa eine Stunde sichtbar. Um halb sieben gehen beide Planeten dann am Südwest-Horizont unter.
Da man ja nie weiß, ob der Himmel sich pünktlich öffnen wird sollte an den kommenden Tagen schon vorgeschaut werden.
Denn erst 2080 gibt es dieses Ereignis wieder zu sehen!

Friedliche Festtage und ein gutes Neues Jahr wünschen Euch

Petra, Michael und Karla

 

 

 

 

18.12.2020, Familie Micke, Hans-Böckler-Str. 80

 

Ingeborg Reinhold

Besuch aus Nazareth

Es geht mit Riesenschritten auf Weihnachten zu. Im alten Pfarrhaus des Dorfes herrscht rege Betriebsamkeit, nicht nur in den Gemeinderäumen und bei der jungen Pfarrersfamilie, auch oben in der kleinen Wohnung unter dem Dach.

Dort ist Hildegard Heinrich zu Hause. Die rüstige Seniorin hat eine große Leidenschaft. Sie strickt für ihr Leben gern, am liebsten Socken zum Verschenken, Socken in allen Farben, Mustern und Größen, die bei den Empfängern immer gut ankommen. Gerade ist ein dunkelrot-weiß geringeltes Paar im Entstehen. Es soll noch ein Weihnachtsgeschenk werden.

Hildegard hat es sich in ihrem Sessel am Fenster gemütlich gemacht, um das Sonnenlicht des kurzen Wintertages zum Weiterstricken zu nutzen. Helle, aufgeregte Kinderstimmen dringen vom Erdgeschoss bis zu ihr hoch und übertönen mühelos das Klappern der Nadeln. Sie muss unwillkürlich schmunzeln. Offensichtlich sind die zwei Sprösslinge des neuen Pfarrers wieder einmal in voller Aktion.              

Elisabeth, die muntere Dreijährige, ist alles andere als ein Kind von Traurigkeit und hält den etwas älteren Jochen mit ihren Ideen ganz schön auf Trab. Der Bruder macht mehr oder weniger begeistert fast alles mit, was seiner kreativen Schwester einfällt. Hildegard hat die beiden liebenswerten Kinder auf Anhieb in ihr Herz geschlossen. Für sie ist sie die Tante Hildi, eine Art Patenoma. Es würde sie gar nicht wundern wenn das Geschwisterpärchen in Kürze bei ihr auftaucht.

Tatsächlich, die Kinderstimmen werden lauter. Kleine Füße stapfen die Treppe hoch und energisch klopft es an die Tür. Hildegard legt das Strickzeug beiseite und bittet die Kinder freundlich herein. Sie muss schmunzeln. Die Geschwister haben sich offensichtlich als Maria und Josef verkleidet. Kein Wunder, denn im Pfarrhaus gibt es jetzt im Dezember kaum andere Themen als Adventsfeiern, Weihnachtslieder singen und Krippenspiel proben. So hat dieses Weihnachtsfieber auch die jüngsten Bewohner gepackt.

Der Junge trägt eine alte dunkle Jacke, mehrere Nummern zu groß, und Vaters ausrangierten grauen Filzhut, der ihm beim Treppensteigen fast bis auf die Nase gerutscht ist. In der Hand hält er als Wanderstock den roten Stiel vom Wischmopp.

Seine Schwester ist beinahe vollständig unter dem großen rot-blau karierten Schultertuch ihrer Mutter verschwunden, das sie mit der Hand fest zusammenhält. Unter das Tuch hat sie unverkennbar ihrer Puppe gestopft. Immerhin ist Maria schwanger, und dazu gehört nun mal ein dicker Bauch, so viel hat die Kleine inzwischen gelernt.

Auf solche Art perfekt ausgestattet, ist das „heilige Paar“ nach Bethlehem - sprich: ins Dachgeschoss - marschiert. Jochen alias Josef erzählt lang und umständlich der aufmerksam lauschenden Tante Hildi, dass sie von weit her aus Nazareth kommen und dringend ein Zimmer brauchen. „Meine Frau bekommt nämlich ein Kind“, erklärt er schließlich, „aber jetzt ist es noch nicht da.“

Der ungeduldigen Elisabeth-Maria dauert das ganze Herumreden viel zu lange. Sie greift unter ihr kariertes Tuch, zerrt mit einem kräftigen Ruck die Puppe hervor, schwenkt sie demonstrativ an den Beinen hin und her und sagt sehr bestimmt: „Klar ist das Kind da!“

Hildegard muss ich da Lachen verkneifen über die Christkind-Blitzgeburt.

Erst später geht ihr auf, dass das kleine Mädchen, ohne es zu wissen, eine tiefe Wahrheit ausgesprochen hat. Das Kind, der Heiland Jesus Christus, ist da. Immer, auch wenn man ihn nicht sehen kann, wenn Weihnachten noch in weiter Ferne liegt oder schon längst wieder vorbei ist. Klar ist er da!

Seit er vor mehr als zweitausend Jahren in Bethlehem geboren wurde, ist er da – als Bruder, als Freund, als Helfer und Tröster, als Versöhner mit Gott.

Ich glaube an Gott, und ich glaube, hört ihr,

dass er ein Künstler ist, ein Erfinder:

Unbegrenzt sind seine Ideen: Alles ist neu,

was er macht, und aus erster Hand. Schön ist es,

vielgestaltig, unser aller Bewunderung würdig.

Der unendliche Kosmos, die Ordnung der Sterne,

das ist sein Plan. Wolken denkt er sich aus

und die Morgenröte, die Berge ließ er entstehen,

und sieh diesen Baum: Jeder Zweig, jedes Blatt

ist seine Erfindung, und ebenso formt er

Eidechsen, Fische und Schmetterlinge.

 

Er gleicht nicht dem Bild, das ihr euch

zurechtdenkt, euren Begriffen und Definitionen.

So wie ihr ihn beschreibt, hätte er niemals

so eine Welt voller Wunder erschaffen.

und kaum mehr als eine Sorte von Menschen:
Alle kämen sie mit genormten Köpfen daher

und denselben Nasen. Nie und nimmer gäbe es

dieses seltsame Durcheinander von Dichtern,

Schönheitsköniginnen, Kellnern und Kirchenvätern,

von Steuerprüfern, Rockfans und Radrennfahrern,

dazu noch die Großmütter und Musikanten.

 

Etwas von allem muss in ihm sein. Er ist

ein Hirte, glaubt mir, ein Liebhaber, Vater und

Mutter, ein Kinderspiel. Einer, der zaubern

kann und verzaubern, er ist ein großer Indianer.

Geheimnis lautet sein Name, und immer der Andere,

hoch über allem, was ist, und allem voraus,

der Anfang, der Atem, der alles hervorbringt,

und seine Kraft ist spürbar in allem. Er wirkt

die Vollendung, nach der wir uns sehnen.

Im Sturmwind und Feuer, so ist er erschienen,

er wohnt in der Wolke, im Wort in der Stille.

Er sät seine Hoffnung unter die Armen.

Im Herzen der Liebenden ist er, inmitten

der Welt, und gepriesen sei sein herrlicher Name!

 

Lothar Zenetti

 

16.12.2020, Familie van Cleve, Wiener Str. 46

 

Die Sterntaler

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter

gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte,

darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und

endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein

Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt

hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt

verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins

Feld.

Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: "Ach, gib mir etwas zu

essen, ich bin so hungrig." Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot

und sagte: "Gott segne dir's," und ging weiter.

Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: "Es friert mich so an

meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann." Da

tat es seine Mütze ab und gab sie ihm.

Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und

hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter,

da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin.

Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel

geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das

fromme Mädchen dachte: "Es ist dunkle Nacht, da sieht dich

niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben," und zog das Hemd

ab und gab es auch noch hin.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die

Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es

gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und

das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler

hinein und war reich für sein Lebtag.

15. Dezember 2020, Familie Schlüter, Wilhelm Leuschner Str. 2

 

Der winzig kleine Stern auf dem Weg zur Krippe

Damals, zurzeit, als Jesus geboren werden sollte, lebte im hintersten Himmelswinkel ein winzig kleiner, silberner Stern. Wie alle anderen Sterne war er sehr neugierig. Von seinem Himmelswinkel aus, hatte er einiges beobachtet: Da war ein Engel bei Maria erschienen und hatte ihr gesagt, dass sie ein Kind bekommen wird und dass dieses Kind Jesus heißen soll. Der kleine Stern hatte gesehen, dass Maria und Josef sich auf den Weg nach Bethlehem gemacht hatten. „Ich könnte mich ja auch auf den Weg machen, um zu sehen, ob dort etwas Besonderes geschieht“, dachte er. „Aber ich bin ja viel zu klein. Weit kann ich alleine nicht leuchten. Ich muss noch andere Sterne mitnehmen“ Und der kleine silberne Stern macht sich auf den langen Weg nach Bethlehem. Nach einer Weile traf er einen großen, wunderschön leuchtenden roten Stern.

Da sagte der kleine silberne Stern: „Ich bin auf dem Weg nach Bethlehem. Aber ich bin so klein und ich leuchte nicht weit genug. Kannst du mich nicht begleiten?“

Da antwortete der große rote Stern: „Gerne würde ich dich begleiten! Aber ich kann meinen Platz nicht verlassen. Auf der Erde gibt es riesige Wüsten ohne Straßen und Wege. Alles sieht dort gleich aus. Tagsüber zeigt die Sonne den Menschen den Weg, nachts leuchte ich ihnen zur nächsten Oase. Wenn ich meinen Platz verlasse, verirren sie sich. Aber warte, ich werde dir etwas mitgeben.“

Und der große rote Stern rüttelte und schüttelte sich und ein roter Strahlenregen ergoss sich über den winzig kleinen Stern.

Silberner Stern: „Vielen Dank. Ich bin schon größer und rötlich funkelnd geworden. Jetzt leuchte ich schon stärker und werde bestimmt den Weg finden.“

Und so zog der kleine, jetzt auch rot funkelnde Stern weiter. Nach einiger Zeit traf er einen wunderschönen blau schimmernden Stern.

Da sagte der silbern und rötlich schimmernde kleine Stern: „Ich bin auf dem Weg nach Bethlehem. Aber ich bin immer noch klein und leuchte nicht weit genug. Kannst du mich begleiten?“

Da erwiderte der große blaue Stern: „Gerne würde ich dich begleiten. Aber ich kann meinen Platz hier nicht verlassen. Die Zugvögel, die aus den kalten Ländern, wo jetzt Winter ist, in den warmen Süden fliegen, richten sich nach meinem Schein. Verlasse ich meinem Platz, müssen sie erfrieren. Aber warte, ich werde dir etwas von mir mitgeben.“

Und der große blaue Stern rüttelte und schüttelte sich und ein blauer Strahlenregen ergoss sich über den winzig kleinen Stern.

Silberner Stern: „Vielen Dank. Nun bin ich silbern-rötlich funkelnd und bläulich schimmernd. Jetzt leuchte ich noch stärker und werde bestimmt den Weg finden.“

Und so zog der kleine silbern rot funkelnde und blau schimmernde Stern weiter, bis er nach einiger Zeit einen riesigen goldenen Stern traf.

Silberner Stern: „Ich bin auf dem Weg nach Bethlehem. Aber ich bin immer noch klein und leuchte nicht weit genug. Kannst du mich begleiten?“

Der riesige goldene Stern antwortete: „Gern würde ich dich begleiten. Aber ich kann meinen Platz hier nicht verlassen. Ich leuchte allen Seeleuten auf den Meeren. Aber warte, ich werde dir etwas mitgeben.“

Und der riesige goldene Stern rüttelte und schüttelte sich und ein goldener Strahlenregen ergoss sich über den silbern-rot funkelnden und blau schimmernden Stern. Aus unserem winzig kleinen silbernen Stern war nun durch die Geschenke der drei anderen Sterne ein riesengroßer Stern geworden. Lang war sein Weg. Aber endlich war auch er in Bethlehem angekommen. Über einem Stall hielt er an, um sich ein bisschen auszuruhen. Voller Freude, es geschafft zu haben, rüttelte und schüttelte er sich, dass es nur so funkelte und sprühte. Als er an sich herunter sah, bemerkte er, dass er einen prächtigen Schweif bekommen hatte. Er war der schönste und strahlendste Stern am ganzen Himmel geworden. Der armselige Stall leuchtete in einem himmlischen Sternenlicht. Und alle Menschen spürten: hier wird etwas ganz Besonderes geschehen.

14. Dezember 2020, Familie Knappe, Von-Ketteler-Str. 3

 

Eine tierische Weihnachtsgeschichte

Es war einmal ein kleines Mädchen, das hieß Marie. Marie lebte mit ihren Eltern auf

einem kleinen Bauernhof mit ein paar Kühen, Schafen, einem Ackerpferd, dem Hund

Bibo und einem Stall voller Hühner. Die Familie hatte nicht viel Geld, aber sie waren

zufrieden. Es war Winter geworden und im Haus brannte schon seit vielen Wochen

ein alter Kamin, und es war angenehm warm in der Stube. Draußen lag der Schnee

meterhoch rund um den kleinen Bauernhof. Marie liebte den Winter, denn das war

die Zeit, in der man sich auf Weihnachten freuen konnte. In diesem Jahr war sie

besonders aufgeregt, denn ihre Freundin hatte ihr von der alten Sage erzählt, dass

in der Weihnachtsnacht alle Tiere sprechen könnten. Marie war fest entschlossen,

dieser Sache auf den Grund zu gehen. Am Abend vor dem Weihnachtsfest konnte

Marie ihre Aufregung nicht mehr zurückhalten. „Heute Nacht werde ich in die Ställe

gehen und nachsehen, ob die Tiere sprechen können!“, verkündete sie ihren Eltern.

„Nein, Marie, das machst du nicht!“, meinte ihr Vater. „Du wirst dich noch erkälten

und die Weihnachtstage über krank sein! Wir können uns keinen Arzt leisten! Wer

hat dir nur so einen Unsinn erzählt?“ Marie sagte trotzig: „ Und was, wenn es doch

stimmt? Vielleicht sprechen sie ja wirklich!“ Ihre Mutter streichelte sie und sagte:

„Das ist doch nur eine Sage.“ Doch Marie hatte einen Plan. Sie tat so, als würde sie

ins Bett gehen, gab ihren Eltern einen Kuss und verschwand in ihrem Zimmer. „Jetzt

muss ich nur noch warten, bis meine Eltern schlafen“, dachte Marie. „Dann ziehe ich

mich an und schleiche mich hinaus.“ Einige Zeit später war es still geworden, und sie

schlüpfte unter ihrer Bettdecke hervor und zog sich eine dicke Jacke über. Sie

öffnete leise ihre Zimmertür, zog ihre Schuhe an und schlich auf Zehenspitzen aus

dem Haus. Marie stapfte wild entschlossen zu den Ställen. Vorsichtig öffnete sie die

Tür und zündete eine kleine Lampe an, die im Eingang des Stalles stand. Sie hörte

das Rascheln von Stroh aus der Box des Pferdes. Die Kühe standen friedlich in ihrer

Ecke und blinzelten sie verwundert an. Die Schafe lagen zusammengerollt im Heu.

Alles wie immer. „Ob meine Eltern doch Recht hatten?“, dachte Marie. „Als ob Tiere

sprechen könnten!“, sagte sie zu sich selbst. „ Warum nicht?“, flüsterte es plötzlich

hinter ihr. Marie zuckte zusammen. „Hallo, ist da jemand?“, sagte sie leise. Doch

statt einer Antwort hörte sie nur ein leises Kichern. Ängstlich drehte sie sich ganz

langsam herum. Hinter ihr stand Bibo, der Familienhund. Er war ihr wohl aus dem

Haus heraus gefolgt. „Hast du gerade etwas gesagt?“ Bibo antwortete nicht, sondern

setzte sich in eine Ecke. Irgendwie war die Sache jetzt doch etwas unheimlich. Als

sie gerade die Lampe wieder löschen und den Stall wieder verlassen wollte, hörte

sie eine sanfte Stimme sagen: „Marie, komm doch mal her!“ Sie fuhr herum. Konnte

das sein? Die Stimme kam aus der Box des Pferdes. Marie ging auf die Box zu und

die alte Stute schaute sie freundlich an. „Ja, es stimmt, Marie. In der

Weihnachtsnacht können alle Tiere sprechen. Das ist unser besonderes Geschenk

an euch Menschen.“ Es stimmte also wirklich! „Wie wunderbar, wie toll!“, sagte sie

begeistert. „Aber warum glauben meine Eltern dann nicht daran?“ Das Pferd senkte

den Kopf. „Weil nur ganz besondere Menschen, die ein gutes, offenes Herz haben,

uns hören können. Und davon gibt es heute leider nicht mehr viele.“ Marie war

gerührt. Sie schaute zu den Schafen, die langsam aus ihrem Schlaf erwachten.

„Hallo, Schafe!“, sagte sie. Die Schafe schauten sich verwundert an. Jetzt war Marie

total aufgeregt. Sie lief zu den Kühen und sagte: „Ihr Guten - wie geht es euch?“

Berta, die älteste von den Kühen, drehte ihren Kopf um und murmelte: „Ach, mein

Fuß schmerzt immer noch. Ich habe mir einen Dorn in den Fuß gelaufen.“

Marie wollte gerade die Lampe holen und sich den Fuß von Berta ansehen, da fiel die

Lampe um und es wurde ganz dunkel im Stall. „Mist!“, dachte Marie. Sie tastete um

sich, stolperte dabei über etwas und fiel hin. Doch was war das? Plötzlich fühlte sie

ihre Bettdecke, ihr Kopfkissen, ihr kleines Stofftier - sie lag wieder in ihrem Bett! Wie

konnte das sein? Doch durch die Kälte, den Sturz und die ganze Aufregung war

Marie so müde, dass sie einige Minuten später tief und fest schlief. Als sie am

Weihnachtsmorgen aufwachte, dachte sie als Erstes an ihre Erlebnisse der letzten

Nacht. Hatte sie am Ende alles nur geträumt? Sie hatte ihren Schlafanzug an und

sie fand weder nasse Schuhe noch ihre Jacke irgendwo in ihrem Zimmer. Marie war

enttäuscht. Aber weil es Weihnachten war, sprang sie dennoch aus dem Bett und

ging zu ihren Eltern, die am Frühstückstisch saßen. „Frohe Weihnachten, Marie!“,

sagten sie. „Du hast aber lange geschlafen!“ „Frohe Weihnachten!“, murmelte Marie.

Sie hörte gar nicht hin, worüber sich ihre Eltern unterhielten. Sie spitzte erst die

Ohren, als sie das Wort „Berta“ hörte. „Was ist mit Berta?“, fragte Marie. „Sie lahmt

heute noch stärker als gestern,“ seufzte ihr Vater. Marie sagte vorsichtig: „Vielleicht

hat sie einen Dorn im Huf?“ „Na ja, ich werde später einmal nachsehen,“ sagte der

Vater. Gegen Mittag ging Marie in den Stall, um frische Eier zu holen. Als sie den

Stall betrat, kam ihr Vater freudestrahlend auf sie zu. „Du hattest Recht, Marie! Berta

hatte tatsächlich einen Dorn im Huf! Woher wusstest du das?“ „Ach, nur so eine

Vermutung,“ sagte Marie lächelnd. Als sie zu Berta schaute, zwinkerte diese ihr zu.

„Frohe Weihnachten, Berta!“, flüsterte Marie und zwinkerte zurück.

13. Dezember 2020, Johanneskirche, Hinsbergstr. 16

 

Der kleine Stern

 

Wenige Tage bevor Jesus geboren wurde rief Gott seine Engel zusammen. „Freunde, wir brauchen noch einen Stern.“ „Wie? Noch einen Stern? Es gibt doch schon so viele!“ sagten die Engel. „Wozu denn noch einen Stern?“ „Ja,“ sagte Gott, „aber wir brauchen einen besonderen Stern, der besonders hell leuchtet; so hell, dass man ihn auch tagsüber sehen kann. Denn es soll etwas Besonderes geschehen. Ich möchte, dass mein Sohn als Kind zur Welt kommt. Ich möchte, dass er meine Liebe und meinen Frieden zu den Menschen bringt. Und damit die Menschen ihn finden können, dazu braucht es einen ganz hellen Stern, für den Tag und für die Nacht.“ Drei Engel machten sich auf, um alle Sterne zu fragen. Aber fast alle Sterne waren nicht hell genug. Andere wollten keine Überstunden machen, und wenn, dann nur gegen Extra-Bezahlung. Kein Stern wollte Gott helfen. Keiner wollte den Menschen den Weg zu Jesus zeigen. Da hatten die Engel eine Idee. Sie sagten: „Wer diese Arbeit übernimmt, der wird einmal sehr berühmt werden. Noch nach 2000 Jahren wird man über ihn reden.“ Was? Berühmt?! Da wollte plötzlich jeder Stern diese Aufgabe übernehmen. Fast hätten sie sich untereinander gestritten und geprügelt und darum gekämpft, wer denn nun der helle Stern sein darf. - Aber die Engel stellten fest, dass keiner von den großen Sternen hell genug war für diese besondere Aufgabe, nicht nur nachts, sondern auch tagsüber zu leuchten. Was sollten sie jetzt nur machen? Ratlos schauten sich die drei Engel ein wenig um, und da sahen sie plötzlich einen ganz kleinen Stern. „Hey du, komm mal her!” riefen sie. „Warum sagst du nichts? Willst du nicht berühmt werden?“ „Ach,“ sagte der kleine Stern, „ich bin doch nur ganz klein. Ich bin nicht groß und auch nicht besonders hell. Ich bin einfach nur ein kleiner Stern, der noch wachsen muss.“ Da wurden die Engel sehr traurig, weil sie keinen hellen Stern fanden. Sie gingen zu Gott zurück und erzählten ihm alles. Da sprach Gott: „Also gut! Dann lasst das mal meine Sorge sein! Ich werde morgen meine Entscheidung bekannt geben.“ Am nächsten Tag sagte Gott: „Ich möchte den kleinen Stern haben für diese große Aufgabe.“ War das ein Theater unter den Sternen. Wütend waren sie, beleidigt und riefen: „Wir streiken und leuchten nicht mehr! – Wir sind beleidigt!“ Aber der kleine Stern fing an zu leuchten. Er leuchtete immer mehr, weil er so wichtig war. Er gab alles, alles Licht, was er hatte, und er wurde dabei immer größer und dicker und heller und heller. Er wollte nicht berühmt werden wie die anderen und groß rauskommen. Er wollte Gott helfen. Er wollte für Jesus da sein! Er wollte nur die Welt hell machen. Er wollte den Weg ausleuchten, damit die Menschen zu dem besonderen Kind in der Krippe finden. Nach einer Woche kamen die anderen Sterne wieder. Doch als sie zurück an den Himmel kamen, riefen sie empört: „Was ist denn das? Gott, mach das helle Licht aus. Willst du uns blenden?“ „Hey, ich bin’s doch,“ sagte der kleine Stern. „Danke, dass ihr mir die Chance gegeben habt zu wachsen.“ Da senkten die anderen Sterne ihre Köpfe. Sie schämten sich. Sie waren so vorlaut gewesen und der Kleine ist so freundlich zu ihnen. Als das Kind in Bethlehem geboren wurde, da stand er über dem Stall und zeigte allen den Weg. Dieses Erlebnis hat der Stern über Bethlehem niemals vergessen. Jedes Jahr einmal erzählte er seinen Kindern und Enkeln davon. „Wisst ihr,“ sagte der Stern, „das Schönste war, dass ich den Menschen den Weg zum Kind zeigen konnte. Zu Gottes Sohn, zu Jesus Christus. Eine wichtigere Aufgabe gibt es im Leben nicht. Vergesst das nicht!“ Da nickten die kleinen Sternenkinder und sagten: „Ja, das wollen wir auch. Anderen den Weg zeigen, der zu Jesus führt.“

 

 

12. Dezember 2020, Familie Sitko, Canisiusstr. 54

 

Tierische Weihnachten

Wer ein Haustier hat, kennt das: Das Weihnachtsfest ist auch für unsere tierischen Freunde etwas Besonderes. Bei uns sind es die Hunde, die die Weihnachtsfeierlichkeiten regelmäßig zu einer wirklich spannenden Angelegenheit werden lassen. Wenn die Familie zusammenkommt, sind da nämlich: ein Neufundländer, ein wahres Monster an Größe und Fellbergen. Ein Schäferhund, stolz, deutsch. Und immer wie auf Amphetaminen, wenn die anderen Hunde da sind. Und ein Mischlingshund, ein Mix aus… ach, was weiß ich, allem. Im Grunde ein ganz, ganz liebes Tier. Aber wenn der Neufundländer und der Deutsche Schäferhund durchdrehen, nun, dann will sich auch der kleine Mischling nicht lumpen lassen.

Und so geht am Heiligen Abend regelmäßig die wilde Jagd durchs Haus. Drei Runden im Wohnzimmer, durch die Küche. Dabei nehmen wir auch gerne mal ein paar Beutestücke von der Essanrichte mit. Weiter die Treppe hoch, hinein ins eine Kinderzimmer. Ins andere. Treppe runter. Und alles wieder von vorn.

Eine Zeitlang hält man das als Mensch ja aus. Aber irgendwann wird das Nervenkostüm doch recht dünn. Vor allem, wenn die Erwachsenen dann noch schreien: „Aus, Fido!“ Oder: „Stopp, Bello!“ So heißen unsere Hunde nicht wirklich, aber man bekommt eine Idee von der Atmosphäre, die bei uns zu Weihnachten die Heimeligkeit ersetzt.

Egal, was du versuchst, gegen drei durchgeknallte Furien hast du keine Chance. Ist halt Weihnachten, und auch die Hunde wollen feiern. Du kannst sie natürlich in den Garten sperren. Aber irgendwann wimmern, jammern und heulen sie derart herzerweichend, dass du sie lieber wieder reinholst als zu riskieren, dass ein besorgter Nachbar den Tierschutz alarmiert. Oder die Polizei.

Immerhin haben die Hunde uns so zu einer Neuerung im Weihnachtsfest verholfen, die womöglich einmalig in Deutschland ist. Vielleicht sogar weltweit.

Denn egal, wie sehr die drei Vierbeiner auch toben – richtig ärgerlich wird es, wenn sie den Weihnachtsbaum umreißen. Und das kann durchaus passieren. Nach dem ersten Mal versuchst du noch, den Baum irgendwie zu stabilisieren. Beim zweiten und dritten Mal intensivierst du deine Anstrengungen. Schaust dir Youtube-Tutorials zum Thema an. Aber nichts hilft wirklich. Was haben wir nicht alles versucht: Seile. Drähte. Stützen. Alles vergeblich. Wenn ein 40 Kilogramm Schäferhund einen 70 Kilogramm Neufundländer in den Tannenbaum hetzt, gibt es Kleinholz. Immer.

Aber wir sind Menschen. vernunftbegabt. Körper-Hirnmassen-Verhältnis unerreicht unter Gottes Geschöpfen. Deshalb fanden wir schließlich doch noch die Lösung: wir haben den Baum nicht unten herum verstärkt, wie das alle anderen versucht haben. Sondern – wir haben ihn an die Decke geschraubt.

Kleiner Trick. Große Wirkung. Mit einem Lochblech wurde die Tannenspitze an der Zimmerdecke befestigt. Und endlich bleibt der Weihnachtsbaum stehen. Oder besser gesagt: Er schwingt und pendelt hin und her, wenn die drei Wuffis wieder vorbeirasen. Aber umschmeißen – nee, liebe Leute. Das ist nicht mehr drin.

11.12.2020, Gisela Möhnke, Oberlinstr. 5

 

Gedanken zu Weihnachten

 

Die Alltagsengel,

sie tragen kein goldenes oder weißes Gewand

und die Flügel sind nicht zu sehen,

wenn sie ungenannt und unerkannt

an uns vorübergehen

 

Die Alltagsengel,

sie kommen nicht immer in schöner Gestalt,

sie tragen auch keinen Heiligenschein,

es gibt sie in jung – es gibt sie in alt,

es gibt sie in groß und in klein.

 

Die Alltagsengel,

ihr Wohnsitz ist nicht beim himmlischen Thron

und es gibt sie in dumm und in klug,

sie erwarten keinen besonderen Lohn –

strahlende Augen sind ihnen Dank genug!

 

Die Alltagsengel,

sie fragen nicht viel nach Geld und nach Gut

und auch nicht nach Herkunft und Stand.

Sie zeigen Courage – sie machen uns Mut

und es gibt sie in jedem Land!

 

Die Alltagsengel,

mal ist es die Nachbarin von nebenan

im schlichten Kleid – ein Arbeitsmann,

ein Bettler gar – der den Weg uns weist,

die fremde Frau, die mit uns reist.

 

Die Alltagsengel,

den Armen haben sie Brot und Kleidung gebracht,

einem Verzweifelten Mut und Hoffnung gemacht.

Ein Tier vor möglichen Qualen gerettet,

eine Tote zur letzten Ruhe gebettet,

beim Kranken gewacht – die ganze Nacht,

ein trauriges Kind zum Lachen gebracht.

 

Die Alltagsengel,

nein – sie tragen kein goldenes oder weißes Gewand

und ihre Flügel sind nicht zu sehen,

sie reichen uns hilfreich und gütig die Hand,

weil sie unsere Sorgen und Ängste verstehen.

 

Die Alltagsengel,

wie trostlos wäre wohl unser Leben,

würde es diese Engel nicht geben!

Noch weitaus schöner wär´ unser Dasein auf Erden,

wenn wir alle zu Alltagsengel werden.

10. Dezember 2020 Familie Karau/Flar, Drissenplatz 14

Licht sein

von Christine Sinnwell-Backes

 

Abend war es und dunkel. Das Kind lag in seinem Bett. Über es gebeugt stand seine Mutter, bereit für den

Gute-Nacht-Kuss. „Mama, ich will dich noch etwas fragen bevor du gehst.“ Die Mutter seufzte. Lang war der Tag gewesen und anstrengend und sie sehnte sich danach nun endlich den Feierabend einzuleiten. „Was gibt es denn? Durst? Pipi? Schlaflicht an?“ forschte sie den gewöhnlichen Verzögerungstaktiken nach. „Licht. Also ich meine Licht sein, wie geht denn das?“ Nachdenklich betrachtete die Mutter ihr Kind. „Was meinst du denn mit Licht zu sein?“ Im Bett richtete sich das Kind wieder auf. „In der Schule hat die Lehrerin heute zu uns gesagt wir sollen Lichter sein, die die Welt erhellen. Und seitdem überlege ich, wie ich das machen soll.“ Lächelnd schaute die Mutter ihr Kind an. „Du bist doch schon mein Licht, seit du diese Welt betreten hast. Vom ersten Moment an hast du meine Welt erhellt.“ Skeptisch schaute das Kind seine Mutter an und setzte zur Antwort an. „Aber seit heute Morgen denken ich darüber nach. Wenn es Licht gibt, gibt es ja auch Dunkelheit und irgendwie habe ich den Eindruck, dass es viel mehr Dunkel auf der Welt gibt, wie Licht.“ Abwartend saß die Mutter an der Bettkante. „Es gibt so viel Krieg auf der Welt, oder die Terroristen. Der Umwelt geht es schlecht und viele Menschen sind arm. So viele Krankheiten gibt es und so viel Leid. Und weißt du – wenn wir Licht sein sollen und die Welt heller machen sollen, dann reicht es nicht, morgens nur den Tisch zu decken oder die Nachbarn freundlich zu grüßen.“ Die Mutter zögerte mit ihrer Antwort. Das Kind hatte ja Recht. Es gab so viel Dunkelheit auf der Welt und an manchen Tagen hatte auch sie den Eindruck, dass zu viele Sorgen auf ihren Schultern lasteten. „Ich komme gleich wieder“ sagte sie und verließ kurz das Zimmer. Als sie wieder kam, hatte sie ein kleines Teelicht dabei und eine Streichholzschachtel. „Mach dein Nachtlicht mal aus.“ forderte sie das Kind auf und es gehorchte. Rabenschwarz war das Zimmer nun. „Mama, es ist so dunkel. Ich sehe nichts.“ Die Mutter zündete die Kerze an und hielt sie zwischen sich und das Kind. „Schau, das Licht der Kerze ist winzig klein und die Dunkelheit in diesem Zimmer ist so groß. Und doch kann diese ganze große Dunkelheit nichts tun, gegen dieses kleine winzige Licht. Seine zarte Flamme reicht, um die Dunkelheit zu durchdringen.“ Das Kind verstand. „So ist es, wenn ihr Licht sein sollt. Ihr könnt die große Dunkelheit der Welt nicht alleine aufhalten. Aber ihr könnt überall dort wo ihr seid, kleine Lichter sein, die mit kleinen Taten dafür sorgen, dass die Dunkelheit durchdrungen wird.“ Das Kind strahlte. „Weißt du was Mama, während wir der Kerze beim Leuchten zuschauen, überlegen wir uns, was wir morgen tun können, um Licht zu sein und die Welt ein wenig heller zu machen.“ Die Mutter lächelte. „Das machen wir. Und weißt du was: morgen nehmen wir uns drei Kerzen und verschenken sie weiter an andere Menschen, die ein wenig Licht in ihrem Leben gebrauchen können. Und wir erzählen ihnen von dem kleinen Licht, das die Dunkelheit verdrängen kann. Und stell´ dir vor, vielleicht gibt einer davon sein Licht auch wieder weiter, und der nächste wieder…“ Aufgeregt beendete das Kind den Gedanken: „Dann hätten wir mit unserem kleinen Licht die Dunkelheit an vielen Ort verdrängt.“ „So machen wir das,“ antwortete die Mutter „und jetzt wird geschlafen. Träum schön.“ Gerade als sie die Tür des Kinderzimmers schließen wollte, hörte sie ihr Kind murmeln: „Und mit jeder Kerze die ich verschenke, werde ich einem Menschen ein Lächeln schenken.“ Die Mutter hielt inne und lächelte.

9. Dezember 2020, Familie Wember, Hohe Str. 2

 

Wir wünschen euch in dieser Zeit ein Lied in jedem Haus
Das in euch selbst erklingen soll und in die Welt hinaus
Mit Worten voller Zuversicht an die ihr glauben wollt
Und ein Leuchten wie Silber und Gold

Vergeßt für ein paar Stunden nun was euch bedrängen mag
Es folgt auf jede Dunkelheit gewiß ein neuer Tag
In dieser Nacht seht ihr den Stern, dem ihr vertrauen sollt
Und ein Leuchten wie Silber und Gold

Und wem das Glück gegeben ist, zu glauben wie ein Kind
Der findet eine Antwort da, wo sonst nur Fragen sind
Der in das Dunkel Licht gebracht, hat all das so gewollt
Und ein Leuchten wie Silber und Gold
 

Rolf Zuckowski

   

Und wenn er wirklich wiederkäm'
Und wär' nicht so wie wir
Hätt' and're Haut und and'res Haar
Als unsre Leute hier

Wer gäbe ihm zuerst die Hand
Und wollte mit ihm gehen?
Und auch in seiner schwersten Nacht
Noch immer zu ihm steh'n?

Wer würde ohne Zweifel ihm
Und seinem Wort vertrau'n?
Und reinen Herzens, wie ein Kind
In seine Augen schau'n?

Und wenn er wirklich wiederkäm'
Zu uns auf diesen Stern
Er wär' uns doch wie eh und je
Unendlich nah und fern

 

Rolf Zuckowski

08.12.2020, Hendrik Herbarth, Schneewittchenring1

 

Tomte Tummetott

von Astrid Lindgren

Nun ist es Nacht. Der alte Bauernhof schläft. Es schlafen alle, die dort wohnen. Der Bauernhof liegt tief im Walde. Vor langer Zeit kam ein Mann in den Wald und rodete ihn und baute dort ein Haus. Wer es war, weiß niemand mehr.

 

Die Sterne funkeln am Himmel, der Schnee leuchtet weiß, es ist bitterkalt. In einer solchen Nacht geben die Menschen acht, dass das Feuer im Herd nicht erlischt.

 

Auf dem einsamen alten Hof schlafen jetzt alle, alle außer einem...

Tomte Tummetott.

 

Tomte Tummetott ist wach. Er wohnt in einem Winkel auf dem Heuboden, und nur des Nachts, wenn die Menschen schlafen, kommt er hervor. Alt ist Tummetott, uralt. Viele hundert Winter hat er erlebt. Wann er auf dem Hof Einzug, weiß niemand.

 

Doch alle wissen, dass er dort wohnt. Wenn die Menschen am Morgen erwachen, finden sie seine winzigen Fußstapfen im Schnee, aber niemand hat Tummetott je gesehen.

 

Auf leisen Sohlen schleicht Tummetott im Mondlicht umher.

Er wacht über seinen Hof. In Scheune und Stall, in Speicher und Schuppen, überall schaut er hinein. Er huscht hierhin und dorthin und hinterlässt winzige Fußstapfen im Schnee.

 

Zuerst tippelt er zum Kuhstall. Dort ist es dunkel und warm.

Die Kühe muhen leise. Sie träumen vom Sommer und von der Weide. Tummetott spricht zu ihnen. Wichtelworte raunt er ihnen zu: "Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehen. Geduld nur, Geduld! Der Frühling ist na."

 

In den Pferdestall scheint der Mond hinein. Dort drin steht der Braune und schnaubt leise. Er träumt von der Wiese, wo er im Sommer trabte. Tummetott spricht zu ihm. Wichtelworte raunt er ihm zu. "Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehen. Geduld nur, Geduld! Bald trabst du wieder über die Wiesen und durch den Wald!"

 

Die Schafe und Lämmer schlafen. Sie träumen vom Gras und Klee.

Als Tomte Tummetott durch die Stalltür schlüpft, blöken sie leise.

Er spricht zu ihnen. Wichtelworte raunt er ihnen zu: "Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehen. Eure Wolle schützt euch vor Kälte und Schnee, und die Krippe ist voll mit Laub und Heu."

 

Behutsam tabst er zum Hühnerstall. Die Hühner auf den Stangen gackern leise. Sie träumen vom Hof und Feld. Tummetott spricht zu ihnen. Wichtelworte raunt er ihnen zu: "Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehen. Geduld nur, Geduld! Bald scharrt ihr wieder auf Hof und Feld."

 

Auf der Hundehütte liegt dicker Schnee. Dort wacht Caro jede Nacht und wartet auf seinen Freund Tummetott.

Und Tummetott kommt. Er spricht zu ihm. Wichtelworte raunt er ihnen zu: "Karo, mein Freund, noch weht dir der Schnee in die Hütte. Doch bald wärmt dir die Sonne das Fell."

 

Im Haus ist es still. Die Menschen schlafen und ahnen nichts, dass Tummetott auch zu Ihnen kommen und über sie wacht. Und Tummetott denkt: Viele hundert Jahre habe ich hier über Menschen gewacht, aber noch nie hat mich jemand von ihnen gesehen.

 

Auf Zehenspitzen huscht tummetott zum Bett der Kinder.

 

Er sieht sie lange an und denkt: Alle Kinder wünschen mich einmal zu sehen. Doch nachts, wenn ich komme, schlafen sie fest. Immer werden sie träumen von mir, doch wenn sie erwachen, bin ich schon fort.

 

Tummetott schleicht wieder hinaus. Und am Morgen finden die Kinder seine Fußstapfen im Schnee. Tummetott stapft heim zur Scheune, wo er in einem Winkel auf dem Heuboden wohnt. Dort im Heu liegt die Katze und wartet, dass er ihr Milch bringt. Tummetott spricht zu ihr. Wichtelworte raunt er ihr zu: " Ich weiß, du hast Durst. Hier bringe ich dir Milch. Nun trinke und Schnurre und schlafe im Heu."

 

Der Winter ist lang und dunkel und kalt. Und Tummetott wünscht sich Sonne und Licht. Er denkt: Viele Winter und viele Sommer sah ich kommen und gehen. Kehrten doch bald die Schwalben zurück! Zöge doch bald der Sommer ins Land!

Aber noch liegen Hof und Wald im tiefen Schnee. Am Himmel funkeln die Sterne. Es ist bitterkalt. In einer solchen Nacht geben die Menschen acht, dass das Feuer im Herd nicht erlöst.

Auf dem einsamen alten Hof schlafen jetzt alle, alle außer einem...

Tomte Tummetott.

 

Winter und Sommer kommen und gehen. Jahr folgt auf Jahr.

Solange auf dem alten Hof mitten im Walde Menschen wohnen, so lange geht Tummetott Nacht für Nacht dort auf leisen Sohlen umher und wacht.

 

 

07.12.2020, Kindergarten Zauberland, Oberlinstr. 2

 

Was raschelt denn da? Der Nikolaus?

 

Wenn der Nikolaus über den frisch gefallenen Schnee läuft, dann raschelt es gleichmäßig unter seinen Füßen. In diesem Jahr ist sehr viel

Schnee gefallen, also raschelt es gleichmäßig bei jedem Schritt, den der Nikolaus macht. Viele Kinder können den Nikolaus hören, wenn er so durch den Schnee stapft, und das Stapfen ist nicht das Einzige, womit der Nikolaus Geräusche verursacht.

Manchmal nimmt er sich die Zeit und streicht seinen langen, weißen Rauschebart glatt. Wenn man genau hinhört, hört man ein ganz, ganz, leises Rascheln aus dem flauschigen Bart dringen.

In seinem Sack hat der Nikolaus viele kleine Geschenke für alle Kinder dieser Welt. Die Geschenke sind in buntes Geschenkpapier eingepackt, und wenn die Geschenke beim Gehen durcheinander geschüttelt werden, raschelt der Sack so laut und wild, dass man kaum noch ein gesprochenes Wort verstehen kann.

Natürlich verteilt der Nikolaus auch in diesem Jahr wieder Mandarinen und Nüsse. Die Nüsse sind in einem kleinen Extra-Sack. Sie rascheln auch, aber das Rascheln klingt hart und kurz.

Es ist schön, dass der Nikolaus so viele Geräusche macht. Kinder freuen sich, wenn sie den Nikolaus hören.  Ein Rascheln  kann für Kinder sehr geheimnisvoll und verheißungsvoll sein. Und so lauschen die Kinder ganz genau, wenn der Schnee unter den Füßen des Nikolauses gleichmäßig raschelt, wenn der Nikolaus seinen Bart streichelt und es ganz, ganz leise raschelt, wenn die Geschenke im Nikolaussack durcheinander geschüttelt werden und es ganz laut und wild raschelt und auch wenn die Nüsse in ihrem kleinen Extra - Sack hart und kurz rascheln. Jedes noch so kleine und zarte Nikolausrascheln kann ein Lächeln auf das Gesicht eines Kindes zaubern.

6.12.2020, Familie Grote-Terheyden, Canisiusstr. 30

Sinan und der Heilige Nikolaus

Wie einen Schatz hütet Sinan das Stück Brot in seiner Hosentasche. Was soll nur werden? Seit Wochen brennt die Sonne unerbittlich vom Himmel. Nichts wächst mehr. Kein einziges Korn, aus dem die Menschen in Myra ihr Brot backen können! Jeden Tag beten Sinan und seine Mutter deswegen um Regen. Aber Gott scheint sie nicht zu hören. ‚Soll die blöde Sonne doch an ihrer Hitze verglühen!‘, denkt Sinan.

Gerade kommt Sinans Mutter vom Wasserholen zurück. Erschöpft setzt sie den Tonkrug ab. „Der ist ja leer!“, ruft Sinan erschrocken. „unsere Quelle ist versiegt“, seufzt seine Mutter. „Ich muss ins Nachbardorf gehen. Nur dort gibt es einen Brunnen, der noch Wasser hat.“ Liebevoll streichelt sie Sinan über den Kopf. „Bis zum Sonnenuntergang bin ich zurück!“ Lange stet Sinan da und sieht ihr nach. Schließlich macht er sich auf den Weg zum Hafen.

Sinan ist ganz schlecht vor Hunger. Ob er jetzt sein Brot essen soll? Unschlüssig holt er es hervor, ‚Nur ein kleines bisschen‘, denkt er. Gerade will er hineinbeißen, da schiebt sich eine feuchte Hundeschnauze dazwischen. „Such die selber was zu fressen!“, schimpft Sinan. Aber der Hund bleibt und legt bittend seine Pfote auf Sinans Knie. „Na gut „, seufzt Sinan. „Teilen wir eben.“ Stück für Stück gibt er dem Hund etwas von seinem Brot ab. Die Kruste aber steckt er zurück in seine Tasche.

„Du bist ein guter Junge“, hört Sinan plötzlich eine Stimme. Vor ihm steht Bischof Nikolaus. Sinan erkennt ihn gleich an seinem langen roten Mantel. „willst du mich begleiten?“, fragt ihn der Bischof. „Wohin denn?“ Nikolaus zeigt hinaus aufs Meer. „Siehst du die drei Schiffe? Die sind voll beladen mit Korn.“ Sinan staunt. „Müssen wir nun nicht mehr hungern?“ „Nur wenn der Kapitän uns hilft“, antwortet der Bischof und runzelt besorgt die Stirn.

Die Schiffe haben gerade im Hafen angelegt, da drängen sich an der Kaimauer schon die Menschen. „Gebt uns Korn! Gebt uns Korn!“, flehen sie. „Verschwindet!“, rufen die Matrosen. „Das Korn ist für den Kaiser von Konstantinopel bestimmt.“ Sinan bekommt Angst. Doch Bischof Nikolaus geht entschlossen auf das Schiff zu. „Wo ist euer Kapitän?“, ruft er. „Es ist wichtig!“ Ein kräftiger Mann mit langen weißen Haaren tritt hervor. „Was wollt ihr von mir?“, fragt er. 2Ich habe etwas mit dir zu bereden“, sagt Nikolaus mit fester Stimme. „Mut hast du ja!“ antwortet der Kapitän. „Dann komm an Bord.“ „ich danke dir!“ Bischof Nikolaus lächelt. „Der Junge und der Hund gehören zu mir.

Als sie in seiner Kajüte sind, fragt der Kapitän: „Also, was willst du nun von mir?“ „Die Menschen in Myra verhungern“, antwortet Nikolaus. „Nur dein Korn kann sie noch retten.“ „was geht mich das an?“, brummt der Kapitän und wischt sich den Schweiß von der Stirn. „Das Korn des Kaisers ist genau abgewogen. Wenn auch nur ein Gramm fehlt, kostet mich das Kopf und Kragen!“ „Ich verstehe deine Sorge“, sagt der Bischof. „Aber gib mir von jedem Schiff hundert Sack, und ich verspreche dir: In Konstantinopel wird kein Körnchen fehlen.“

„Kommt nicht infrage.“ Der Kapitän schüttelt den Kopf. „Ich muss das Korn hüten wie einen Schatz.“ „Ich habe auch einen Schatz!“, ruft Sinan und holt seine letzte Brotkruste hervor. Da blickt der Kapitän den Jungen lange an. Ganz still ist es auf einmal. ‚Bitte, lieber Gott‘, betet Sinan, ‚lass ein Wunder geschehen!‘ Schließlich holt der Kapitän tief Luft. „Einverstanden“, sagt er. „Ihr sollt das Korn haben.“ „Gott wird dein Vertrauen belohnen“, antwortet der Bischof froh.

Als sie wieder oben an Deck sind, sieht Sinan, wie die Matrosen schon die Kornsäcke vom Schiff schleppen. Überall fallen die Menschen auf die Knie. Sie loben und danken Gott. Die schlimme Hungersnot in Myra hat endlich ein Ende! „Lass uns gehen, Sinan“, sagt Nikolaus. „Wartet!“, ruft da der Kapitän. In seinen Händen hält er einen Laib Brot. „Für dich“, sagt er zu Sinan. „Damit auch du deinen Schatz wieder teilen kannst.“

Sinan strahlt. Gleich bricht er ein Stück ab und reicht es dem Bischof. Der aber schüttelt den Kopf. „Gib es deiner Mutter“, sagt er lächelnd. „Und nun lauf!“ So schnell er kann, rennt Sinan nach Hause. Der Hund läuft ihm schwanzwedelnd hinterher. „Wie ein einziger Tag alles verändern kann!“, jubelt Sinan. „Danke, lieber Gott!“

Und alles kam so, wie Bischof Nikolaus es vorausgesagt hatte: Als die Schiffe in Konstantinopel anlegten, fehlte kein einziges Korn! Bis heute erzählt man sich darum die Geschichte vom Heiligen Nikolaus und dem Wunder von Myra.

(Quelle: Der kleine Himmelsbote)


 

5.12.2020 Familie Marczian, Lohweg 41

 

Die geheimnisvolle Türe

(…eine weise Geschichte)

 

Es war einmal ein König eines großen Reiches, dem das Wohle seines Volkes sehr am Herzen lag.

Sein engster und weiser Berater stand bereits seinem Vater viele Jahre hilfreich zur Seite. Als dieser in die Jahre kam, forderte er den König auf,

frühzeitig nach einem Nachfolger zu suchen, um diesen noch in das Amt einführen zu können.

All jene, die sich durch große Bildung und Wissen auszeichneten, sprachen am Hof vor. Dem König gefiel der weise Geist der Anwärter sehr wohl. Dennoch schien ihm bei jedem etwas Entscheidendes zu fehlen.

Des Königs Berater erkannte das Problem und erstellte kurzerhand ein Auswahlverfahren, zu dem jeder aus dem Volk eingeladen wurde.

Jedem Anwärter wurde ein Schlüsselbund von über hundert Schlüsseln

übergeben. Es galt die Aufgabe zu lösen, eine mächtige, mit Eisen beschlagene Türe auf Anhieb, beim ersten Versuch zu öffnen!

Wochen gingen ins Land und Tausende versuchten vergeblich, diese Türe zu öffnen.

die Schlüssel sowie die gesamte Türe. Mit einfachem Griff drückte er die Klinke nach unten, wobei sich die Türe umgehend öffnen ließ, da diese gar nicht abgeschlossen war.

Erfreut sprach der König: » Du stellst dich Herausforderungen, ohne dich irreführen zu lassen. Du verlässt dich nicht auf das, was du hörst, sondern vertraust auf deinen Verstand und dein Gefühl!

Du sollst mein neuer Berater sein! «

 

4. Dezember Second Hand Shop Dortmunder Str.126

Ein Tännlein aus dem Walde,
und sei es noch so klein,
mit seinen grünen Zweigen
soll unsre Freude sein!

Es stand in Schnee und Eise
in klarer Wintersluft;
nun bringt’s in unsre Stuben
den frischen Waldesduft.

Wir wollen schön es schmücken
mit Stern und Flittergold,
mit Äpfeln und mit Nüssen
und Lichtlein wunderhold.

Und sinkt die Weihnacht nieder,
dann gibt es lichten Schein,
das leuchtet Alt und Jungen
ins Herz hinein.

Albert Sergel

 03.12.2020 Familie Lippe, Hans-Böckler Str. 38

Wenn man Weihnachten nicht richtig feiern kann

Die Patienten kamen ins Gespräch und meinten, es sei ihren Betreuern hoch anzurechnen, dass sie ihnen ein wenig Weihnachtsfreude hätten bereiten wollen. Aber schließlich könne man im Krankenhaus nicht richtig Weihnachten feiern.

„Wenn man nicht zu Hause bei seiner Familie ist, wie soll man da in Weihnachtsstimmung kommen?“, fragte ein junger Mann. „Weihnachtsbraten und Tannenduft gehören einfach dazu“, warf ein anderer ein. Der dritte fügte hinzu: „Wenn ich nicht die frohen Gesichter der Kinder und ihre glänzenden Augen sehen kann, dann ist Weihnachten nur halb so schön.“ Sie zählten noch einige Dinge auf, die ihrer Meinung nach unbedingt zum Weihnachtsfest gehörten.

Vom eigentlichen Weihnachten

 „Vom eigentlichen Weihnachten habt ihr noch gar nichts gesagt“, ließ sich da Großvater Meng vernehmen, der sich bisher am Gespräch nicht beteiligt hatte.

„Was ist denn das, ‘eigentliches Weihnachten’?“, fragten die anderen. „Dass wir zu Weihnachten die Geburt des Gottessohnes feiern. Gott hat uns Jesus geschenkt, darum freue ich mich. Das ist für mich der Grund zum Feiern.“ Die jüngeren Männer im Zimmer hatten Großvater Meng schon oft wegen seines Bibellesens mitleidig belächelt und verspottet und seine schlichte Frömmigkeit als Marotte des Alters abgetan.

Wie feiern wir Weihnachten?

 „Als ihr eben aufzähltet, was euch zu Weihnachten alles wichtig ist, da musste ich an ein wunderschönes Geschenkpaket denken, das mit Weihnachtspapier und Goldband hübsch verpackt ist; aber wenn man es aufschnürt, ist es innen leer“, erklärte Großvater Meng den anderen.

„Gerade so feiert ihr euer Weihnachtsfest: Außen eine schöne Verpackung — Weihnachtsbaum, Geschenke, Lieder und was ihr noch aufgezählt habt, aber innen ist es leer. Mir kommt es auf den Inhalt an. Ich kann auf die Verpackung auch verzichten. Die Geburt des Heilands ist meine Weihnachtsfreude.“ Dabei strahlten Großvater Mengs Augen so fröhlich, dass die anderen merkten, dass er nicht nur schöne Worte gemacht hatte. (H.-L. Worm)

02.12.2020, Familie Zipfel, Stegerwaldstr. 5

 

Weißt du noch …

Weißt du noch? Wir waren Kind!

Wir liefen fix und ganz geschwind,

sahen wir draußen Flocken blitzen,

zum Keller … Schlittenprobesitzen!

 

Nun, für den Schlitten längst zu groß,

schimpfen wir recht zornig los,

wenn gepudert Straß und Haus!

Wir müssen nun zum schippen raus!

 

Weißt du noch? Wir waren Kind!

Um Mutti rumgeschlichen sind.

Sie buk Plätzchen, lecker, süß und fein!

„Lässt du wohl das naschen sein!“

 

Das naschen wir uns abgewöhnt,

weil unter Kilos wir gestöhnt.

Die Werte nicht die besten sind,

ach wär´n wieder nochmal Kind!

 

Weißt du noch? Wir waren Kind!

Wie schnell all´ Türchen offen sind!

Mit jedem Türchen, das steht offen,

steigt das Bangen und das Hoffen!

 

Nun, das Hoffen ist geblieben,

dass alle Menschen, die wir lieben,

neben all´ den vielen Gaben,

eine friedvoll Weihnacht haben!

 

 

Weihnachtszauber

Wenn in langen, dunklen Nächten

Kerzenschimmer rundherum.

Kleine, feuchte Kindernasen

drücken sich am Fenster krumm.

 

Wenn betörend süße Düfte

warm erfüllen jedes Haus

und melodisch schöne Klänge

tragen in die Nacht hinaus.

 

Wenn geheimnisvolles Treiben

um dich herumgeschehen mag.

Der Verstand kann´s nicht erfassen

ist er da, der Weihnachtstag!

 

Willst du da nicht wieder Kind sein,

um den Zauber zu verstehn?

Glücksgefühl erfasst dein Herze,

in Kinderaugen kann man´s sehn!

 

Und die Tür, die bleibt verschlossen,

hetzt du nur durch Zeit und raum.

Nimm dir Zeit dich zu besinnen,

dann erfüllt sich dieser Traum.

01.12.2020, Familie Schütz, Hinsbergstr. 14:

Vier Kerzen

 

Am Adventskranz brannten vier Kerzen. Draußen lag Schnee und es war ganz still. So still, dass man hören konnte, wie die Kerzen miteinander zu reden begannen.

 

Die erste Kerze seufzte und sagte: "Ich heiße FRIEDEN. Mein Licht gibt Sicherheit, doch auf der Welt gibt es so viele Kriege. Die Menschen wollen mich nicht." Ihr Licht wurde kleiner und kleiner und verglomm schließlich ganz.

 

Die zweite Kerze flackerte und sagte: "Ich heiße GLAUBEN. Aber ich fühle mich überflüssig. Die Menschen glauben an gar nichts mehr. Was macht es für einen Sinn, ob ich brenne oder nicht?" Ein Luftzug wehte durch den Raum, und die zweite Kerze verlosch.

Leise und sehr zaghaft meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: "Ich heiße LIEBE. Mir fehlt die Kraft weiter zu brennen; Egoismus beherrscht die Welt. Die Menschen sehen nur sich selbst, und sie sind nicht bereit, einander glücklich zu machen." Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht ausgelöscht.

 

Da kam ein Kind ins Zimmer. Erstaunt schaute es die Kerzen an und sagte: "Warum brennt ihr nicht? Ihr sollt doch brennen und nicht aus sein." Betrübt ließ es den Blick über die drei verloschenen Kerzen schweifen.

 

Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort. Sie sagte: "Sei nicht traurig, mein Kind. So lange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen immer wieder anzünden. Ich heiße HOFFNUNG."

 

Mit einem kleinen Stück Holz nahm das Kind Licht von dieser Kerze und erweckte Frieden, Glauben und die Liebe wieder zum Leben.